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Steigende Preise chinesischer Heilkräuter

Die letzten drei Jahre waren geprägt von erheblichen Preissteigerungen und -schwankungen der chinesischen Kräuter. Die von der Organisation Traditioneller Chinesischer Medizin (CATCM) veröffentlichten Statistiken zeigen, dass der Preis von über 80% der 537 am häufigsten verschriebenen Kräuter Jahr für Jahr gestiegen ist (China Daily 2011). Die Tabelle 1 und die Grafiken 1 und 2 führen neun häufig verwendete Kräuter auf, die seit 2009 eine enorme Preissteigerung erfahren haben.


Tabelle 1 - Prozentualer Anstieg der Preise von 2009 bis 2012


Grafik 1 - Prozentualer Anstieg der Preise für Dang Gui, Ren Shen, Jie Geng, San Qi, Chai Hu


Grafik 2 - Prozentualer Anstieg der Preise für Tai Zi Shen, Suan Zao Ren, Jin Yin Hua und Yuan Zhi

Der folgende Artikel versucht, die für den Anstieg der Preise und deren Schwankungen verantwortlichen Faktoren in der TCM zu analysieren. Der Artikel bezieht sich auf eine Vielzahl von Quellen und auf das Know-how von Wang Ruting, dem CEO von Mayway Hebei, Anguo. Wang (2012) hat insgesamt sieben Schlüsselfaktoren herausgefiltert, welche die Preissteigerungen beeinflussen :

1. Die Globalisierung und die sich verändernde Demografie in China

2. Die Bauern steigen auf ertragreicheren Saaten um

3. Der internationale Exportmarkt

4. Die Einhaltung der GMP-Richtlinienen

5. Die Spekulation und das Horten von Waren

6. Der Einfluss der H1N1-Pandemie

7. Der Klimawandel

Die Globalisierung und die sich verändernde Demografie in China

Der Wert des Renmen Bi (RMB) ist während der globalen Bankenkrise von 2007/2008 gestiegen und die Inflation hat zu einem Anstieg der Lebenshaltungskosten und infolgedessen zu Gehaltserhöhungen geführt. Erntehelfer verlangen höhere Löhne ; zum Beispiel sind die Löhne in der Provinz Gansu von 30 Yuan auf 100 Yuan pro Tag gestiegen (China Daily 2011) Um die Inflation einzudämmen, sind die Gemeinden dazu übergegangen, die Mindestlöhne anzuheben, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Gemäß dem Ministerium für Arbeitskräfte und soziale Sicherheit haben im Jahr 2011 insgesamt 24 Provinzen und Gemeinden den Mindestlohn durchschnittlich um 22% angehoben, und der Plan sieht vor, den Mindestlohn um mindestens 13% jährlich bis 2015 anzuheben (Bloomberg News 2012).

Die Demografie in China ist Änderungen unterworfen und die Ein-Kind-Politik der kommunistischen Partei hat zu einer alternden Bevölkerung geführt. Deshalb werden 2030 mehr ältere Menschen als Kinder in China leben (The Economist 2009). Wegen der geringen Geburtenrate während der letzten dreißig Jahre hat die Anzahl der Wanderarbeiter zugenommen, die in der Lage sind, höhere Löhne zu fordern.

Die Bauern steigen auf ertragreicheren Saaten um

Viele Kräuter benötigen Jahre, um zur vollen Reife zu gelangen und die Lebensmittelpreise sind wegen der Inflation gestiegen. Viele Gemüsebauern sind deshalb auf ertragreichere Saaten umgestiegen, die einen schnelleren Gewinn versprechen. Infolgedessen ist die Gesamtproduktion der Kräuter seit dem Jahr 2000 um 20% gesunken, was dazu geführt hat, dass wegen des geringeren Angebots und der steigenden Nachfrage die Preise in die Höhe geschossen sind. (UPI.com 2011) 

Der internationale Exportmarkt

Die erhöhte Nachfrage aus den internationalen Märkten ist mitverantwortlich für die Preiserhöhungen bei den Kräutern. Der Wert der Ausfuhren von TCM-Produkten aus China ist von 600 Millionen Dollar in 1996 auf 1,8 Milliarden Dollar in 2010 gestiegen und die chinesische Handelskammer für die Einfuhr und Ausfuhr von Gesundheitsmitteln rechnet damit, dass sich der Wert der Ausfuhren um bis zu 10% pro Jahr innerhalb der kommenden fünf bis zehn Jahre erhöht. (China Daily 2012b) 

Die Einhaltung der GMP-Richtlinienen

Der Eintritt Chinas in die Welthandelsorganisation (WTO) im Jahre 2001 hat dazu geführt, dass die Herstellung von Pharmazeutika und TCM-Produkten strengeren Qualitätskontrollen unterliegt, um so den internationalen Sicherheitsstandards zu entsprechen. Die staatliche Nahrungs- und Arzneimittelbehörde der Volksrepublik China hat die Anweisung erteilt, dass sich sämtliche Hersteller an die Richtlinien der Guten Herstellungspraxis (GMP) halten müssen und dies auch in einem Authentisierungsprozess belegen. Im Jahre 2010 hatten nur ca. 2800 von ca. 6000 Herstellern diesen Authentisierungsprozess durchlaufen, weitere ca. 1000 Hersteller sind dabei, den Prozess zu implementieren und die restlichen ca. 2000 Hersteller riskieren eine Schließung ihres Werkes. Die Produzenten von Kräutern konnten nur überleben, weil sie erhebliche Investitionen tätigen mussten, und die Kosten für die GMP-Konformität wurden an die Kunden weitergegeben, was wiederum zu höheren Preisen geführt hat. (TheChinaBiz.org 2010) 

Die Spekulation und das Horten von Waren

Wegen des rapiden Anstiegs und der Schwankungen bei den Preisen für Kräuter füllen die Gemüsebauern und Spekulanten ihre Lagerbestände auf, was zu einer Verknappung des Angebots, zu höheren Preisen und zu satten Gewinnen führt. Dang Shen (Codonopsis Radix) zum Beispiel wird als Ersatzmittel für das teurere Ren Shen (Ginseng Radix) verwendet und war Gegenstand heftiger Spekulationen im Juni 2011. Als Reaktion darauf wird die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission der Volksrepublik China mit den Worten zitiert, dass es sich hierbei um ’das Horten und Spekulieren illegaler Geschäftemacher’ und um eine dreijährige Inflation handelt. Die Kommission befahl 10 Händlern, ihre gelagerten 200 Tonnen Dang Shen zu einem Höchstpreis von 60 Yuan ($9,28) pro Kilogramm, also 30 Yuan unter Marktpreis, zu verkaufen. Weitere 44 Händler wurden aufgefordert, ihre gelagerten 800 Tonnen an Kräutern noch vor Dezember 2011 zu verkaufen. (China Daily 2011) 

Im April 2011 wurde in Chengdu Chinas erster Börsenindex für Kräutermedizin eingeführt. Der Chengdu-Index soll Preisschwankungen für Kräuter und deren Nachfrage überwachen sowie eine bessere staatliche Regulierung und Kontrolle der Preise für Kräuter ermöglichen, und darüber hinaus soll der Index den Anbauern erlauben, zukünftige Nachfragen für Kräuter besser vorauszusehen. (Global Times 2011b)

Der Einfluss der H1N1-Pandemie

Basierend auf den während der SARS-Epidemie in 2003 gemachten Erfahrungen hat die chinesische Regierung auf die H1N1-Pandemie in 2009 reagiert und den Patienten empfohlen, Hilfe bei den TCM-Medizinern zu suchen. Die chinesische Akademie der Wissenschaften empfahl die Rezepte von Wen Bing zur Behandlung des H1N1- Virus (Fratkin 2010). Die staatliche Förderung der Rezepte von Wen Bing für die Behandlung von Atemwegserkrankungen hat zu einer erhöhten Nachfrage dieser Rezepte geführt. Dies wiederum hat die Kosten für die Kräuter, wie zum Beispiel für Jin Yin Hua (eine Erhöhung von 250% seit 2009) und Jie Geng (eine Erhöhung von 400% seit 2009), in die Höhe getrieben.

Der Klimawandel

Eine schwere Dürre im Südwesten von China hat ebenfalls zu einer Erhöhung der Kräuterpreise geführt. Zwar sind kurze Dürren im Süden Chinas nichts Ungewöhnliches, doch die jetzige regionale Dürre dauert schon seit drei Jahren an und in der Provinz Yunan sind ca. 270 Flüsse und ca. 410 kleine Wasserreservoirs ausgetrocknet. Nach Meinung einer Nichtregierungsorganisation (NGO), der Yunan Stiftung für Grüne Umwelt-Entwicklung, ist der globale Klimawandel eine der Ursachen, aber sie hat auch festgestellt, dass die rapide Sanierung und die fortschreitende Abholzung in der Region von Yunan Schuld an diesen extremen Auswüchsen der Dürre sind. (Economist 2012)

Die Präfektur Wenshan in Yunan produziert 97% des San Qi in China und wurde von der Dürre schwer getroffen, wodurch die Produktion von TCM-Produkten, die San Qi enthalten, um 30% gefallen ist. Deshalb müssen die Anbauer zunehmend in Pumpeinrichtungen, wie Wasserpumpen, investieren, und die höheren Kosten sowie die schlechte Ernte haben dazu geführt, dass der Preis von San Qi auf 550 Yuan pro Kilogramm angestiegen ist. (China Daily 2012) 30% der TCM-Pharmaunternehmen in der Yunan-Provinz haben die Herstellung von TCM-Produkten, die San Qi enthalten, wegen der steigenden Kosten eingestellt. (Global Times 2011a)

Fazit

Die Entwicklung der Löhne und des Lebensstandards der Beschäftigten in der TCM-Industrie sowie die erfolgreiche Implementierung des GMP-Standards im TCM-Sektor verlaufen positiv. Allerdings deutet alles darauf hin, dass der steigende Wert des Renmen Bi und die Erhöhung der Produktionskosten und Löhne sowie die Reduzierung der Quantität der angebauten Kräuter zu weiteren Preiserhöhungen führen. Die Preise der Kräuter sind wegen der aufgrund des Klimawandels schlechten Ernte weiterhin Schwankungen ausgesetzt. Es bleibt zu hoffen, dass die Einführung des Chengdu Börsenindexes und ein stärkerer staatlicher Eingriff die Spekulation und das Horten verhindern, so dass die Preisschwankungen eingedämmt werden.

LITERATURHINWEISE

Bloomberg News (2012).

Shanghai hebt die Mindestlöhne um 13% an, weil China die Nachfrage ankurbeln will.
http://www.bloomberg.com/news/2012-02-28/shanghai-raises-minimum-wage-13-as-china-seeks-to-boost-consumer-demand.html

China Daily (2011)
Die Händler von TCM-Produkten werden verpflichtet, ihre Lagerbestände zu verkaufen.
http://english.peopledaily.com.cn/90001/90778/90860/7444129.html

China Daily (2012)
Die Kosten für TCM-Kräuter explodieren wegen der anhaltenden Dürre in den betroffenen Gebieten.
http://www.chinadaily.com.cn/cndy/2012-03/02/content_14736733.htm

China Daily (2012b)
TCM-Exporte legen kräftig zu.
http://www.chinadaily.com.cn/bizchina/2012-02/10/content_14578000.htm

Chinamining.org (2011)
Chinas Anti-Inflationspolizei schützt das "Ginseng der armen Leute".
http://www.chinamining.org/News/2011-07-18/1310975946d47850.html

Fratkin J (2010)
Behandlung und Prävention von H1N1 Schweinegrippe.
http://www.acupuncturetoday.com

Globaltimes.cn (2011a)
Der Preisanstieg von San Qi zwingt 30% der Arzneimittelhersteller, die Produktion einzustellen.
http://www.globaltimes.cn/NEWS/tabid/99/ID/669091/Rising-Sanqi-price-compels-30-percent-of-drug-companies-to-cease-production.aspx

Globaltimes.cn (2011b)
Einführung des Indexes für Kräutermedizin. 17. April 2011.

 http://www.globaltimes.cn/business/industries/2011-04/645533.html

Thechina.biz (2010)
Die chinesische Agentur für Lebensmittel und Medikamente könnte 2000 Arzneimittelhersteller schließen.
http://thechina.biz/china-economy/fsda-may-shut-down-2-000-drug-firms/

The Economist (2009)
Chinas Probleme. Die Leute werden alt, bevor sie reich werden. 
http://www.economist.com/node/13888069

The Economist (2012)
Frau Fangs ausgedörrtes Feld. Auch der Staat kann nichts ausrichten, wenn es nicht regnet.
http://www.economist.com/node/21552583

UPI.com (2011)
China befürchtet einen enormen Anstieg der Preise für Medikamente.
http://www.upi.com/Top_News/World-News/2011/01/05/China-sees-soaring-medicinal-herb-prices/UPI-26581294252306/

Wang R (2012)
Persönliche Korrespondenz

Simon Plant BSc (Hons) MSc MBAcC MRCHM hat Akupunktur und chinesische Pflanzenheilkunde an der Universität von Westminster studiert, und er betreibt eine Praxis in Waterloo (London, UK). Er arbeitet als Berater für Mayway UK.